A. Bestandsidentifikation
| Signatur | NLA ST, Dep. 12 |
| Titel | Gutsarchiv von Saldern zu Ovelgönne |
| Laufzeit | 1553–1938 |
| Umfang | 12 Urkunden (1553–1767), 0,5 lfdm Akten (1567–1938), 1 Karte (1756) |
| Findmittel | EDV-Findbuch 2000 (Dr. Christian Hoffmann) |
| Arcinsys-ID | 3797 |
| Status | ✅ Vollständig erfasst |
Das Gutsarchiv von Saldern zu Ovelgönne ist der zentrale archivalische Bestand für die Geschichte der Familie Marschalck von Bachtenbrock. Der Bestand wurde 1995 von Dietrich und Gertrud von Saldern als Depositum an das NLA Stade übergeben und im Jahr 2000 durch Dr. Christian Hoffmann neu verzeichnet.
B. Vollständige Bestandsgeschichte (Arcinsis-Transkription)
Die Bestandsbeschreibung des Arcinsys-Portals enthält eine ausführliche Darstellung der Geschichte des Guts und der Familie. Die wichtigsten Passagen im Wortlaut:
1. Das Gut Ovelgönne und die Familie von Marschalck
„Das Gut Ovelgönne am nördlichen Rand des Dorfes Hechthausen im Altkreis Neuhaus/Oste ist eine Gründung der Familie von Marschalck, einer der ältesten Adelsfamilien des Erzbistums Bremen."
„Die im Jahr 1142 erstmals erwähnte Familie von Marschalck hatte nicht nur das Erbmarschallamt des Erzbistums bzw. Herzogtums Bremen wie auch des öfteren das Wahlamt des Ritterschaftspräsidenten der Bremischen Ritterschaft inne."
— Arcinsys NLA Stade, Dep. 12, Bestandsbeschreibung
Bemerkenswert: Die Bestandsbeschreibung selbst nennt das Jahr 1142 für die Ersterwähnung der Familie – die identische Angabe, die auch auf der Startseite des Portals und in anderen genealogischen Quellen erscheint. Die Arcinsys-Beschreibung stützt sich dabei auf die etablierte genealogische Literatur (Mushard 1708, von der Decken 1864), ohne selbst eine Quellenprüfung vorzunehmen.
2. Burgmannschaft und territoriale Verwaltung
„Ursprünglich war die Familie von Marschalck im Alten Land ansässig, wo sie im 14. Jahrhundert zur Horneburger Burgmannschaft gehörte. Entscheidende Bedeutung für die Verlagerung in die Gegend um Hechthausen gewann die Belehnung der Familie mit dem Gut Cranenburg durch den Erzbischof von Bremen zu Beginn des 15. Jahrhunderts."
— Arcinsys NLA Stade, Dep. 12
Die Beschreibung bestätigt von Archivarseite die zentralen Stationen der Familiengeschichte: Horneburg → Cranenburg → Hechthausen. Die Formulierung „zu Beginn des 15. Jahrhunderts" für die Belehnung bleibt vage – genaue Daten sind nicht genannt.
3. Die sieben Güter
„Die große Zahl der Landgüter der Familie im Kirchspiel Hechthausen (Geesthof, Hutloh, Klint I und II, Laumühlen, Ovelgönne und Wischhof) resultiert aus zahlreichen Erbteilungen innerhalb der Familie, bei denen der einstmals umfangreiche Grundbesitz der Familie verteilt wurde."
— Arcinsys NLA Stade, Dep. 12
4. Gründung Ovelgönnes
„Die Gründung der erwähnten Landgüter der Familie von Marschalck im Kirchspiel Hechthausen erfolgte im Lauf des 16. Jahrhunderts. Auch das Gut Ovelgönne verdankt einer solchen Erbteilung seinen Ursprung, indem vermutlich bald nach dem Tod des Segebode von Marschalck zum Wischhof im Jahr 1593 seine Söhne Jürgen und Johann das väterliche Erbe dergestalt teilten, daß Jürgen den Erbsitz Wischhof erhielt, während Johann mit Grund und Boden ausgestattet wurde, auf welchem er das Gut Ovelgönne errichten konnte."
— Arcinsys NLA Stade, Dep. 12
Die Wappenfenster in Walsrode (1597) und die Bezeichnung Johanns als „zu Ovelgönne erbgesessen" (1598) sind die frühesten datierten Nachweise für die Existenz des Guts.
5. Ergänzende Überlieferung (Dep. 40)
„Entsprechend der weiten Verzweigung der Familie von Marschalck ist die Überlieferung zur Geschichte dieser Familie und ihrer Besitzungen auf mehrere Archive verteilt. So befindet sich ein wesentlicher Teil der Überlieferung des Gutes Ovelgönne im Archiv Marschalck von Bachtenbrock (Dep. 40 im NLA - Stade)."
— Arcinsys NLA Stade, Dep. 12
Diese Passage ist der eindeutige Beleg für die Existenz von Dep. 40 und seine inhaltliche Bedeutung. Die Abteilung III des Dep. 40 umfasst laut der Bestandsbeschreibung 37 Nummern zum Gut Ovelgönne.
C. Was Dep. 12 enthält
Der Bestand umfasst drei Schriftgutarten:
| Schriftgutart | Anzahl | Zeitraum | Inhalt |
|---|---|---|---|
| Urkunden | 12 | 1553–1767 | Primärquellen zu Besitzungen der Familien von Zesterfleth und von Düring im Alten Land und Land Kehdingen |
| Akten | ~0,5 lfdm | 1567–1938 | Verwaltung der Güter Ovelgönne, Eggerkamp, Laumühlen, Klint, Nindorf; Angelegenheiten der Bremischen Ritterschaft; Familienpapiere Marschalck und von der Decken |
| Karte | 1 | 1756 | Karte von Ovelgönne (StA Stade Karten Nr. 742) |
Das Schriftgut betrifft neben den Familien Marschalck und von der Decken vor allem die Verwaltung der Güter Ovelgönne, Eggerkamp, Laumühlen, Klint und Nindorf sowie Angelegenheiten der Bremischen Ritterschaft. Die älteren Urkunden betreffen Besitzungen der Familien von Zesterfleth und von Düring.
Quelle: Arcinsys NLA Stade, Dep. 12 (vollständige Bestandsbeschreibung)
D. Was Dep. 12 NICHT enthält (Grenzen des Bestands)
- Dep. 12 ist kein reines Marschalck-Archiv. Der Bestand heißt „Gutsarchiv von Saldern zu Ovelgönne" – der Marschalck-Anteil ist ein Teil, aber nicht der gesamte Bestand.
- Die Zeit nach 1938 fehlt. Der jüngste Akt stammt aus 1938 – die NS-Zeit und der Zweite Weltkrieg sind nicht abgedeckt.
- Nur 0,5 lfdm Akten – der Bestand ist relativ klein. Vieles ist nicht überliefert.
- Das Findbuch ist nicht digital zugänglich. Arcinsys bietet keine Online-Ansicht der Einzeltitel – nur die Bestandsbeschreibung ist öffentlich.
- Minimal erschlossen. 78 Archivaliennummern auf 0,5 lfdm – die Verzeichnungsdichte ist gering.
E. Die Besitzerfolge von Ovelgönne (aus Dep. 12)
Das Findbuch von 2002 enthält die vollständige Besitzerfolge:
| Name | Zeitraum |
|---|---|
| Johann von Marschalck | 1598–1618 |
| Franz von Marschalck | 1618–1662 |
| Johann von Marschalck | 1662–1666 |
| Dessen Söhne gemeinschaftlich | 1666–1671 |
| Friedrich von Marschalck | 1671–1694 |
| Johann Friedrich von Marschalck | 1694–1724 |
| Heinrich Christoph von Marschalck | 1724–1753 |
| Christian Engelbert von Marschalck | 1754–1789 |
| Friedrich Christian von Marschalck | 1789 |
| Otto Christoph von Marschalck | 1789–1792 |
| [Lücke] | 1792–1793 |
| Engelbert Johann von Marschalck | 1793–1845 |
| Dietrich Arnold Ludwig von Marschalck | 1845–1875 |
| Otto von Marschalck | 1875–1908 |
| Dietrich von Marschalck | 1908–1939 |
| Kurt von Marschalck | 1939–vor 1945 |
| Gertrud von Marschalck | 1945–1949 |
| Dietrich von Saldern (⚭ Gertrud) | 1949–1994 |
| Christoph von Saldern | seit 1994 |
Quelle: Arcinsys NLA Stade, Dep. 12, Findbuch 2002 (Dr. Christian Hoffmann)
F. Literaturhinweise aus der Bestandsbeschreibung
Die Bestandsbeschreibung enthält ein umfangreiches Literaturverzeichnis. Die wichtigsten Titel:
- Mushard, Luneberg: Monumenta Nobilitatis antiquae Familiarum illustrium, Bremen 1708, S. 388–399
- Decken, D. von der: Ueber das bremische Erbmarschallamt, Stader Archiv 2 (1864), S. 182–209
- Merker, Otto: Die Ritterschaft des Erzstifts Bremen im Spätmittelalter, Stade 1962
- Trüper, Hans G.: Ritter und Knappen zwischen Elbe und Weser, Stade 2000
- Riemer, Alfred: Amt und Wohnsitz der Familie Marschalck von Bachtenbrock, Stader Archiv NF 8 (1918), S. 43–54
- Kieker/Lenz/Rüther: Die Kunstdenkmale des Kreises Land Hadeln und der Stadt Cuxhaven, 1956
- Marschalck von Bachtenbrock, Hubertus Frhr./Baaske, Manfred: Die Marschalcken. In: Alstedt (Hrsg.), Chronik von Hechthausen, 1983, S. 119–136
- Hindersmann, Ulrike: Der ritterschaftliche Adel im Königreich Hannover 1814–1866, Hannover 2001
Quelle: Arcinsys NLA Stade, Dep. 12, Literaturverzeichnis im Findbuch